

Lernstrategien fürs Studium: Das Langzeitgedächtnis
Aus dem Hörsaal ins Langzeitgedächtnis? Kathi zeigt dir, wie dir das gelingt und wie du dein Langzeitgedächtnis effektiv zum Lernen Lernen nutzt.

Aus dem Hörsaal ins Langzeitgedächtnis? Kathi zeigt dir, wie dir das gelingt und wie du dein Langzeitgedächtnis effektiv zum Lernen Lernen nutzt.
Echtes Lernen bedeutet, dass du Informationen sicher im Langzeitgedächtnis speicherst und bei Bedarf abrufen kannst. Dieser Speicherprozess ist der Endpunkt der Informationsaufnahme. Vorher durchlaufen Informationen kurz das sensorische Gedächtnis und das Kurzzeitgedächtnis. Wie das funktioniert, kannst du in den »Lernstrategien fürs Studium: Gedächtnis« nachlesen. In diesem Beitrag liegt der Fokus auf dem Langzeitgedächtnis, um tiefer in dessen Funktionen und Bedeutung für das Lernen und Erinnern einzutauchen sowie wertvolle Rückschlüsse für deinen eigenen Lernprozess zu ziehen.
Das Langzeitgedächtnis ist dafür zuständig, Informationen dauerhaft zu speichern. Im Gegensatz zum Kurzzeitgedächtnis, das Informationen nur für einen kurzen Zeitraum behält, kann das Langzeitgedächtnis Informationen über Jahre, ja sogar Jahrzehnte, speichern.1
Man könnte das Kurzzeitgedächtnis als einen »Notizblock« betrachten, auf dem du kurzzeitig Dinge notierst.
Das Langzeitgedächtnis hingegen ähnelt einer umfangreichen Bibliothek, in der jedes Buch eine besondere Erinnerung oder ein spezifisches Wissen darstellt. Es ist nicht nur umfangreicher, sondern auch beständiger und besser organisiert. Allerdings landet nicht jede Information automatisch in dieser »Bibliothek«. Verschiedene Faktoren bestimmen, welche Informationen aufgenommen und welche weggelassen werden. Um dies besser zu verstehen, lohnt es sich, die zugrunde liegenden Prozesse genauer zu betrachten.
In deinem Langzeitgedächtnis wird das Wissen nicht einfach nur abgelegt. Es ist vielmehr in Form von Wissensnetzwerken organisiert. An dieser Stelle muss ich auch die Analogie mit der Bibliothek erweitern: Du sortierst Wissen nicht einfach linear nebeneinander in ein Bücherregal ein, sondern verknüpfst es dreidimensional. Diese Netzwerke bilden das fundamentale Gerüst hinter deinem Gedächtnis.
Diese Verknüpfungen, oft als Assoziationen bezeichnet, sind entscheidend dafür, wie du lernst, dich erinnerst und neues Wissen aufbaust. Jede Information, die du aufnimmst, wird nicht isoliert gespeichert, sondern in Beziehung zu bereits vorhandenem Wissen gesetzt.2 Dies ermöglicht es, Informationen schneller abzurufen und neue Inhalte effizienter zu lernen.
Vielleicht erinnerst du dich, wie du deine erste Fremdsprache gelernt hast. Hier musstest du alles von null neu aufbauen. Nun hast du bereits ein Wissensnetzwerk für diese Fremdsprache. Wenn du eine zweite Fremdsprache aus derselben Sprachfamilie, wie beispielsweise innerhalb der romanischen Sprachen lernst, kannst du auf dieses Netzwerk zurückgreifen. Du verknüpfst automatisch ähnliche Regeln, was den Lernprozess beschleunigen kann.
Entscheidend ist aber eben nicht nur das Abspeichern, sondern auch das Abrufen und auch das gelingt dir leichter, wenn verknüpfte Punkte bereits aktiviert sind oder mit aktiviert werden.
Was bedeutet das fürs Lernen konkret?
Verknüpfe Wissen bewusst und aktiv miteinander. Das gelingt dir, indem du Vorwissen aktivierst, mithilfe von persönlichen Kategorien und Systemen. Dadurch erzeugst du Relevanz. Somit ist das neugewonnene Wissen keine rohen Informationen, die du stur auswendig lernst. Gib ihnen eine persönliche Bedeutung!
Wie sehen diese Wissensnetzwerke und der Lernprozess auf neurobiologischer Ebene aus?
Lernen bedeutet nichts anderes, als dass Verbindungen zwischen Nervenzellen, die Synapsen, gebildet bzw. gestärkt werden.
Wenn wir beispielsweise eine neue Fähigkeit erlernen, werden bestimmte Synapsen verstärkt. Je stärker eine Synapse, desto leichter erinnern wir uns an die Infos und können diese anwenden. Andererseits kann eine Synapse, die selten aktiviert wird, mit der Zeit an Stärke verlieren, was zu einem Prozess der »Abschwächung« führt.
Diese kontinuierliche Anpassungsfähigkeit des Gehirns wird als synaptische Plastizität bezeichnet. Sie ermöglicht dem Gehirn, ständig zu lernen und sich an veränderte Umgebungen oder Anforderungen anzupassen. Stell dir vor, dass dein Gehirn seine eigene Methode hat, um sicherzustellen, dass es immer auf dem neuesten Stand ist und optimal funktioniert.3
Was bedeutet das fürs Lernen konkret?
Lernen bedeutet, bestimmte Synapsen zu stärken. Das gelingt dir, indem du sie regelmäßig nutzt, d.h. wiederhole und arbeite mit dem Lernstoff.
Das Langzeitgedächtnis spielt eine zentrale Rolle beim Wissenserwerb und -abruf. Die Struktur in Form von Wissensnetzwerken und die Bedeutung der synaptischen Plastizität zeigen, wie flexibel und anpassungsfähig – sprich lernfähig – dein Gehirn ist. Für effektives Lernen ist es unerlässlich, bewusst Verknüpfungen zu schaffen, Vorwissen zu nutzen und dem gelernten Bedeutung zu verleihen. Letztendlich ist es die Kombination aus Verständnis, Wiederholung und Anwendung, die das Lernen nachhaltig und erfolgreich macht. Wenn du diese Erkenntnisse in deinen Lernprozess integrierst, kannst du dein Potenzial voll ausschöpfen und dein Wissen langfristig festigen.
1Vgl. Hofmann E. & Löhle M. (2016): "Erfolgreich Lernen. Effiziente Lern- und Arbeitsstrategien für Schule, Studium und Beruf". 3. überarbeitete Auflage. Hogrefe-Verlag: Göttingen: Göttingen.
2Vgl. Beck H., Anastasiadou S. & Meyer zu Reckendorf C. (2018): "Faszinierendes Gehirn. Eine bebilderte Reise in die Welt der Nervenzellen". 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Springer Spektrum: Berlin.
3Vgl. Beck H., Anastasiadou S. & Meyer zu Reckendorf C. (2018): "Lernen und Plastizität. Warum das Gehirn niemals fertig ist". In: Faszinierendes Gehirn. Eine bebilderte Reise in die Welt der Nervenzellen. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Springer Spektrum: Berlin, S. 210 f.