Junger Mann mit Büchern in der Hand lehnt gedankenverloren an einer Glasscheibe

Nachteilsausgleich & Härtefallregelung

05.02.2025
5 Minuten
Survival Guide Studium

Ein Studium ist ohnehin herausfordernd und manchmal können Lebensumstände das Studium noch herausfordernder machen. Erfahre, welche Unterstützungsangebote dir jetzt helfen können!

 

Sarah Baumann ist examinierte OTA (Operationstechnische Assistentin). Sie hat 2019 ihren Bachelor LbS Gesundheitswissenschaften und Deutsch an der Uni Osnabrück abgeschlossen. Im Moment schreibt sie ihre Masterarbeit über Perfektionismus und ist in der Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. Aufgrund eigener Erfahrungen mit den Belastungen des Uni-Alltags teilt sie auf Social Media Beiträge über mentale Gesundheit, Selbstmanagement und klärt über Uni-Mythen auf. Sarah glaubt, dass das Studium mehr als die Vorbereitung auf das Berufsleben ist. Für sie besitzt diese Zeit einen schützenswerten Eigenwert und man sollte sich ausprobieren können sowie Fehler machen dürfen. Um im Alltag zu entspannen, liebt Sarah Bewegung ebenso wie Faulenzen. Ihre liebste Sportart ist Inlineskaten und ihre liebste Meditationsübung ist Metta (loving Kindness). Außerdem snackt sie am liebsten Litschis und Weintrauben.

Sarahs Geheimtipp fürs Studium: »Es gibt nicht den richtigen Weg zu studieren. Lebe nach deinen eigenen Werten. Bleib achtsam für deinen Kontext. Sei sanft im Umgang mit deinen ungelösten Fragen.«

Wenn besondere Umstände besondere Unterstützung erfordern

Viele Menschen verbinden mit einem Studium vor allem die Freiheit, sich auszuprobieren. In der Realität wird die Flexibilität Studierender jedoch oft durch die Studien- und Prüfungsordnung eingeschränkt. Das bekommen besonders diejenigen zu spüren, die aufgrund von Schicksalsschlägen, einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Behinderung auf eine individuelle Studiengestaltung angewiesen sind. Studienverlaufspläne gelten zwar als Empfehlung und nicht als Pflicht, jedoch führt ein Abweichen von diesen Plänen häufig zu weiteren Herausforderungen. Einige Prüfungen werden nur jährlich angeboten, Module bauen aufeinander auf und die Anwesenheitspflicht schränkt zusätzlich ein. Die vielfältigen Barrieren können sich summieren, du drohst den Anschluss zu verlieren und wirst vielleicht weder den Anforderungen in deinem Studium noch deiner Gesundheit gerecht. Wusstest du aber, dass es spezielle Regelungen gibt, die dich jetzt unterstützen können? Der Nachteilsausgleich und die Härtefallregelung bieten dir Möglichkeiten, dein Studium unter deinen Bedingungen erfolgreich zu meistern. In diesem Beitrag erfährst du, was sich dahinter verbirgt und wie du diese Maßnahmen beantragen kannst.

Was ist ein Nachteilsausgleich?

Ein Nachteilsausgleich soll Nachteile und Barrieren ausgleichen, die sich durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, Behinderungen oder besondere Lebensumstände ergeben. Auch bestimmte Formen der Neurodivergenz (z. B. ADS/ADHS), Mutterschutz, die Verantwortung für Kinder oder die Pflege von Angehörigen können dazu führen, dass ein Nachteilsausgleich gerechtfertigt ist. Ziel ist es, vergleichbare Studien- und Prüfungsbedingungen für alle Studierenden herzustellen, um vergleichbare Chancen zu gewähren.

Wichtig: Mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit hast du einen gesetzlich verankerten Anspruch auf diesen Ausgleich. Die Inanspruchnahme darf nicht in deinem Zeugnis vermerkt werden. Weitere Informationen findest du bei den Studierendenwerken. Da die Regelungen je nach Bundesland und Hochschule variieren, lohnt sich ein Blick in deine Prüfungsordnung und die Informationen deiner Hochschule. 

Welche Maßnahmen umfasst ein Nachteilsausgleich?

Die Vereinbarungen für einen Nachteilsausgleich können sowohl die Studienorganisation als auch Studien- und Prüfungsleistungen betreffen. Die passenden Lösungen werden dabei immer individuell und gemeinsam mit dir vereinbart. Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • Verlängerung von Abgabefristen
  • Anpassung der Prüfungsform (mündlich statt schriftlich)
  • Lockerung der Anwesenheitspflicht
  • Bevorzugte Zulassung zu Lehrveranstaltungen oder deren Verlegung
  • Modifikation von Praktika und Laborübungen

Wichtig: Ein Nachteilsausgleich dient nicht dazu, die Leistungsanforderungen zu reduzieren. Vielmehr steht im Mittelpunkt, chancengleiche Bedingungen zu schaffen.
 

Wie beantrage ich einen Nachteilsausgleich?

Jede Hochschule stellt Informationen dazu bereit, wie und bis wann ein Nachteilsausgleich zu beantragen ist. Wertvolle Beratung und Unterstützung in diesem Prozess leisten u. a. folgende Anlaufstellen:

Du kannst dich mit deinem Anliegen auch direkt an deine Lehrperson wenden. Sollte deine Anfrage vorerst abgelehnt werden, kann sich eine Beratung und Antragstellung dennoch lohnen, denn Lehrende sind nicht zwingend über deine Rechte informiert.

Wichtig: Achte darauf, dass du den Antrag frühzeitig und schriftlich im Prüfungsamt einreichst, um keine Fristen zu verpassen.

Welche Dokumente müssen vorgewiesen werden?

Voraussetzung für die Bewilligung deines Antrags ist ein Nachweis über deine gesundheitliche Beeinträchtigung oder Behinderung mit einer Erklärung, inwiefern sich diese auf dein Studium auswirkt. Dazu können gehören:

  • Ärztliche oder therapeutische Atteste oder Gutachten
  • Stellungnahmen von Psychotherapeut/innen
  • Amtliche Feststellungsbescheide (z. B. Grad deiner Behinderung)
  • Behandlungsberichte von Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalten

Wichtig:Trage relevante Unterlagen umfassend und sorgsam zusammen, um deinen Antrag gut zu begründen und reiche diesen unbedingt fristgerecht ein.

Die Härtefallregelung im Zulassungsverfahren

Neben dem eher langfristig angelegten Nachteilsausgleich gibt es noch die Härtefallregelung, die dir in akut belastenden Lebenssituationen besondere Unterstützung bietet. Sie kann dazu führen, dass du bevorzugt zu deinem Wunschstudiengang zugelassen wirst – unabhängig der Leistung oder Wartezeit. Die »Allgemeinen« und »Besonderen« Zugangsvoraussetzungen bleiben hiervon allerdings unberührt. Ein Härtefall liegt dann vor, wenn schwerwiegende gesundheitliche, familiäre oder soziale Gründe die sofortige Aufnahme des Studiums zwingend erfordern. Mögliche Härtefallgründe findest du bei den Studierendenwerken, sowie im Informationsmaterial deiner Hochschule.

Die Prüfungswiederholung als Härtefall

Wenn du eine Prüfung aufgrund schwerwiegender Umstände (endgültig) nicht bestanden hast – etwa durch eigene Erkrankung oder den Verlust eines geliebten Menschen – kannst du einen Härtefallantrag stellen. Dieser kann dir eine weitere Wiederholungsprüfung ermöglichen, sofern deine Prüfungsordnung dies vorsieht. Für den Antrag musst du deine Situation detailliert schildern und mit Nachweisen belegen, z. B. durch ein ärztliches Attest. Zusätzlich kann es hilfreich sein, Widerspruch gegen die Bewertung des letzten Prüfungsversuchs einzulegen. Auch hierbei ist eine professionelle Beratung durch deine Hochschule, die Fachschaft oder den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) empfehlenswert. Da in solchen Fällen oft der Studienabschluss auf dem Spiel steht, lohnt es sich gegebenenfalls auch, vor der Antragstellung eine anwaltliche Einschätzung einzuholen.

Lass dich von deinen Herausforderungen nicht entmutigen, auch wenn es dir im Moment schwerfällt. Nachteilsausgleich und Härtefallregelung sind dafür da, um Chancengleichheit zu schaffen und dir deinen persönlichen Weg durch das Studium zu erleichtern. Wende dich vielleicht noch heute an die Beratungsstellen deiner Hochschule und nimm im für dich passenden Maß Unterstützung an. Du schaffst das!


Teilen

Weitere Beiträge

Warum fühle ich mich im Studium so einsam?

Du bist frisch an der Uni und fühlst dich allein? Das geht vielen so. Einsamkeit betrifft viele Studierende, vor allem am Anfang. Hier erfährst du, warum das so ist und was du tun kannst, damit es besser wird.

15.07.2026
Studium
Zwischenmenschliches
Artikel
 

Wie du besser mit Ablehnung umgehst

Ein Kontakt, der sich plötzlich nicht mehr meldet. Eine Freundschaft, die im Sande verläuft. Ablehnung trifft uns mitten ins Herz – aber sie definiert uns nicht. Hier erfährst du, warum Zurückweisung nicht das Ende, sondern ein Startpunkt sein kann.

26.05.2026
Zwischenmenschliches
Support
Artikel
 

Imposter-Syndrom im Studium

Viele Studierende erleben trotz echter Erfolge das Gefühl, »nichts zu können« oder »nur Glück gehabt zu haben«. Dieses Phänomen heißt Imposter-Syndrom. In diesem Beitrag erfährst du, warum Imposter nicht von mangelnder Kompetenz kommt, welche Rolle Leistungsdruck spielt und wie du mit diesen Gefühlen umgehen kannst.

11.08.2026
Studium
Support
Artikel
 

Lernen wie im Schlaf

Länger wach bleiben, früher aufstehen, am Wochenende nachholen – in der Prüfungsphase opfern viele ihren Schlaf fürs Lernen. Im Beitrag erfährst du, warum das nicht immer die beste Lösung ist und was stattdessen hilft.

19.05.2026
Schlaf
Lernen & Prüfungen
Artikel
 

Introvertiert, extravertiert – oder beides?

Introvertiert oder extravertiert? Die meisten Menschen sind weder nur das eine noch das andere. Erfahre, was hinter Introversion und Extraversion steckt und wie du im Studienalltag eine gute Balance zwischen sozialem Kontakt und Ruhe finden kannst.

18.08.2026
Zwischenmenschliches
Support
Artikel
 

Spaß beim Lernen?

Serienmarathon als Lernbelohnung? Klappt vielleicht ... bis es nicht mehr klappt. Finde heraus, wie du deine innere Motivation aktivierst und langfristig dranbleibst!

26.05.2026
Motivation
Studium
Lernen & Prüfungen
Artikel
 

Doomscrolling – warum wir nicht aufhören können zu scrollen

Warum wir uns so stark zu negativem Content hingezogen fühlen, welche Auswirkungen das auf unsere mentale Gesundheit haben kann und wie du Doomscrolling entkommen kannst, erfährst du im Beitrag.

16.06.2026
Gesundheit
Support
Artikel
 

Neue Hobbys im Studium finden

Uni-Stress und wenig Freizeit? Entdecke, wie Sport, kreative Tätigkeiten und soziale Angebote dein Studium bereichern und dir Energie geben können.

09.06.2026
Fitness & Workouts
Motivation
Studium
Artikel
 

Weitere spannende Themen

Mental Health

Survival Guide Studium

Food & Fitness

Social Stuff