ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die sich durch Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität manifestiert. Es wird oft angenommen, dass ADHS ein Phänomen der Kindheit ist und sich im Erwachsenenalter auflöst. Allerdings zeigen Studien, dass viele Menschen mit ADHS auch im Erwachsenenalter weiterhin Symptome haben, die ihr Leben beeinflussen können. Besonders auch dann, wenn sie sich in stressigen oder komplexen Umgebungen, wie dem Universitätsleben, befinden.2
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschlechterdimension von ADHS. Historisch gesehen wurde ADHS oft als eine Störung betrachtet, die hauptsächlich Jungen betrifft. Jedoch zeigen neuere Untersuchungen, dass Mädchen und Frauen genauso von ADHS betroffen sein können, auch wenn ihre Symptome sich möglicherweise anders manifestieren. Während Jungen häufiger Hyperaktivität und Impulsivität zeigen, neigen Mädchen eher dazu, unaufmerksam zu sein und internalisierende Probleme zu haben. Das bedeutet, dass Frauen mit ADHS oft unter einem niedrigen Selbstwert durch Schuldzuweisungen aus der Kindheit leiden und Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen haben können. Außerdem erhalten Frauen mit ADHS ihre Diagnose oftmals viel später, wodurch sich negative Narrative einschleichen können, die die Symptomatik gar nicht berücksichtigen. Zum Beispiel können sich durch eine späte Diagnose negative Glaubenssätze, wie »Ich bin falsch.« oder »Ich bin eine Last für andere.« entwickeln. Eine weitere Besonderheit zeigt sich darin, dass Frauen mit ADHS zur Entwicklung einer Angststörung neigen können, weil sie Symptome häufig nach innen »verbergen«, sodass sich eine Hyperaktivität schnell in eine innere Unruhe manifestieren kann. Außerdem können weitere Aspekte wie Sozialisation, Rollenbilder und eine männerdominierte Forschung dazu führen, dass ADHS bei Mädchen und Frauen oft übersehen oder falsch diagnostiziert wird.3
Die Diagnose von ADHS erfolgt über eine Fachperson, z.B. ein/e Psychotherapeut/in oder eine/n Psychiater/in gemäß den Kriterien des Internationalen Klassifikationssystems für Krankheiten (ICD-10). Dazu gehören unter anderem Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration, Impulsivität und motorische Unruhe. Die Symptome müssen über einen längeren Zeitraum andauern und signifikante Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen verursachen, einschließlich der akademischen Leistung.