Der simple Tipp, der mir dann wieder Hoffnung gab, kam von meiner damaligen Psychologin: »Sie müssen akzeptieren, was Sie nicht ändern können, aber sich dafür umso mehr in den Sachen festbeißen, die Sie können.« Das bedeutete für mich: Alles hinterfragen und alle Stressoren kompromisslos aussortieren.
Tatsächlich gibt es kein Gesetzbuch, das einem vorschreibt, wie man studiert. Das kann ein Fluch sein, denn niemand gibt einem Struktur, so wie in der Schule. Es kann aber auch ein Segen sein, wenn man begreift, dass einen niemand zwingt, zu Vorlesungen zu gehen, wenn sie einem nichts bringen. Nicht, weil man einfach nicht will, sondern weil du dir Inhalte vielleicht nicht so gut übers reine Zuhören erarbeiten kannst. Statt mit meinen Kommiliton/innen in die Vorlesung zu gehen, habe ich mich also in ein Café gesetzt, um die Inhalte dort auf meine Weise durchzuarbeiten. Nicht, indem ich stur auf das Blatt starre, »weil man das eben so macht«, sondern indem ich zum Beispiel bunte Präsentationen vorbereitet habe. So habe ich die Themengebiete logisch geordnet und verstanden. Meine Chancen, den Stoff zu behalten, sind so gestiegen und ich hatte sogar (im Rahmen der Möglichkeiten) Spaß dabei.
Vieles auszuprobieren war für mich extrem wichtig. Mich mit ADHS zu immer wiederkehrenden Arbeitsalltagen zu zwingen funktioniert für mich nur mit neuen Impulsen. Das reicht von »Ich lerne in einem Café« bis hin zu »Ich erstelle einen Social-Media-Kanal mit den Lehrinhalten«. So habe ich mir selbst langsam die lähmende Angst vor dem Schreibtisch genommen.
Aber egal wie man es anstellt, am Prüfungstag muss es sitzen. Die lähmende Angst, alles auf einmal zu vergessen und wieder zu versagen, hat mich wirklich dazu gebracht, alles zu vergessen. Ich habe die Fragen nicht verstanden und unter Panik den Stift sprichwörtlich fallen lassen. Was mir dagegen geholfen hat, ist das »Rückwärts-Lernen«: Anstelle stur den Stoff zu pauken, stellt man sich selbst Fragen, auf die man die Antwort finden muss. Man versucht selbst, der oder die gemeinste Professor/in zu sein und sucht nach Doppeldeutigkeiten, Zusammenhängen, die erfragt werden können, nach aktuellen Ereignissen, auf die Bezug genommen werden kann und lernt auch mit externen Quellen die Antworten zu geben. So habe ich mir die Panik genommen, etwas falsch zu verstehen, denn im besten Fall hatte ich mir die härtesten Fragen selbst schon gestellt. Manchmal habe ich mich sogar gefreut, die Falltüren der Fragestellungen zu erkennen.