ADHS bei Mädchen und Frauen
Wenn man Geschlecht binär betrachtet, zeigen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Der Grund ist aber weniger Biologie, als Sozialisation und Vorurteile. Das Bild vieler Fachkräfte im Schul- und Gesundheitswesen ist leider noch sehr von der Vorstellung des »Zappelphilipp« geprägt. Das hat Folgen für Mädchen und Frauen. Sie müssen als Mädchen deutlich mehr Symptome zeigen, um für eine Diagnostik empfohlen zu werden und erhalten in 75 % der Fälle ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter.2 Das hat auch Folgen für die psychische Gesundheit: Viele Spätdiagnostizierte haben eine längere Psychotherapie-Geschichte hinter sich, bei der zwar andere Störungen behandelt wurden, die Hintergrundstörung ADHS aber nicht. Frauen neigen dazu, viele Symptome zu »maskieren«. Das liegt häufig daran, wie sie aufgewachsen sind und welche Erwartungen an sie gestellt wurden, was das »Frau-Sein« angeht. Mädchen sollen nicht wütend sein, sie sollen Rücksicht nehmen, Konflikte verbal lösen und anderen nicht unangenehm auffallen. Symptome zu verbergen (»Maskierung«) wird nötig, um soziale Probleme, wie ständige Kritik und Zurechtweisung zu vermeiden. Aus dem, was wir dann als Unruhe bei ADHS feststellen, kann innere Unruhe werden. Dadurch fallen sie weniger auf. Und tatsächlich zeigen Frauen und Mädchen vor allem Symptome der Unaufmerksamkeit.3 Diese fallen ebenfalls weniger auf.
Eine weitere Besonderheit sind Veränderungen der Symptome während des Zyklus. Besonders in der Woche vor der Menstruation kann es dabei zu einer Zunahme der Symptome kommen.4 Solltest du diese Schwankungen bei dir bemerken, empfiehlt es sich, sowohl mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen, als auch mit deiner Psychiaterin oder deinem Psychiater zu besprechen. Genaue Studien, wie Medikamente bei Frauen während des Zyklus anzupassen sind, existieren noch nicht. Die Forschung hat bei ADHS bei Frauen und Mädchen einiges nachzuholen.