Ist Pornografie schädlich und kann man danach süchtig werden?
Soweit, so gut: Das Interesse an Pornos scheint tief in der Geschichte der Menschheit verwurzelt zu sein. Die Verbreitung im Internet und die einfachen Möglichkeiten, Pornos zu konsumieren, haben dazu beigetragen, dass viele Menschen sie aus unterschiedlichen Gründen nutzen. Aber musst du dir nun Sorgen um deine Gesundheit machen, wenn du dir hin und wieder spicy Filme ansiehst?
Pornografie ist ein umstrittenes Feld – gesellschaftlich, politisch und wissenschaftlich. Einerseits wird Pornokonsum mit möglichen positiven Effekten in Verbindung gebracht, etwa mit sexueller Offenheit, dem Ergründen der eigenen Sexualität sowie einer besseren Kommunikation über eigenen Bedürfnisse innerhalb einer Partnerschaft.8 Als potenzielle negative Effekte werden dagegen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder der Partnerschaft, Darstellung von erniedrigenden und gewaltverherrlichenden Praktiken, unrealistische Erwartungen an die eigene Sexualität sowie Veränderungen der Gehirnstruktur oder Erektionsstörungen diskutiert. Die Effekte scheinen vor allem von der Häufigkeit und Dauer des Konsums beeinflusst zu sein – je intensiver der Konsum von Pornografie, desto wahrscheinlicher sind mögliche negative Effekte. Aber wie viel ist zu viel und gibt es Pornosucht?9
Ob der Konsum von Pornografie zu negativen Beeinträchtigungen führt, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Auch über eine maximale Konsumhäufigkeit kann keine pauschale Aussage getroffen werden. Die WHO klassifiziert ein außer Kontrolle geratenes Verhalten in Bezug auf Pornografie als zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung bzw. Pornografienutzungsstörung – umgangssprachlich Pornosucht.10 Folgende Anzeichen können auf eine problematische Entwicklung hindeuten:
- Kontrollverlust: Betroffene verspüren ein starkes Verlangen nach Pornografie und schaffen es trotz negativer Konsequenzen nicht, ihren Konsum zu reduzieren.
- Beeinflussung des Alltags: Betroffenen sind in ihrem Alltag durch den Konsum oder Gedanken an den Konsum eingeschränkt.
- Vernachlässigung und Rückzug: Betroffene ordnen dem Konsum alles unter und vernachlässigen Arbeit/Studium, ihre sozialen Kontakte sowie Hobbys oder Tätigkeiten, die ihnen vorher wichtig waren.
- Partnerschaft und Sexualität: Die eigene Sexualität sowie Paarbeziehungen können unter dem intensiven Konsum von Pornografie leiden. Andere Formen der Sexualität werden nicht mehr oder weniger ansprechend empfunden.
- Individueller Leidensdruck: Betroffene leiden unter ihrem Verhalten und möglichen sozialen/gesundheitlichen Folgen, können den Konsum aber dennoch nicht einstellen.11